Erinnerungen: Zöllnermorde

Generalmajor i.R. Manfred Schmidbauer erinnert sich an die Zöllnermorde in Achleiten.

Diese Vitrine zeigt in der Mitte Bilder des Tatortes, wo die beiden Zöllner erschossen wurden. Dann die Passfotos von den Beamten Johann H. und Josef K. Auf der linken Seite sehen sie ein Foto des ermordeten Holländers Eiza J., weiters in der Mitte Bilder vom Lokalaugenschein, die beiden Gendarmen Karl L. und Siegfried H. und in der Mitte rechts unten die beiden Mörder, Johann Oskar M. und der mit Brille Helmut T.

Was war geschehen?

Zwei Wiener Unterweltler, der 27jährige Johann Oskar M. und der 33jährige Helmut T. hatten sich entschlossen, nach Frankreich zu fahren, um sich dort mit Straftaten zu bereichern. Da offensichtlich die richtigen Gelegenheiten fehlten, sprachen sie am 22. Mai 1978 in Paris beim österreichischen Generalkonsulat vor. Durch Vorgabe falscher Angaben erhielt jeder der Beiden ein Unterstützungsdarlehen von knapp 600,- Francs. Von Paris aus fuhren sie nach Holland. Am 25. Mai 1978, gegen 16.00 Uhr hatten sie Probleme mit ihrem Auto. Auf einem Autobahnparkplatz in der Nähe von Arnheim sahen sie einen unbesetzten PKW mit holländischem Kennzeichen. Der Besitzer dieses Autos, der 29jährige holländische Staatsangehörige, Eiza J., war im angrenzenden Wald spazieren. Die beiden Verbrecher zwangen den Mann sich nackt auszuziehen. Anschließend feuerten sie je zwei Schüsse auf die Brust und den Kopf ihres Opfers ab. Der Holländer war sofort tot. Ich kann mich noch gut an die grausigen Tatortfotos erinnern, die mir die holländischen Kollegen übersandt haben. Anschließend nahmen sie dem Toten sämtliche Wertsachen ab, bedeckten die Leiche mit Laub und Geäst und montierten die österreichischen Kennzeichen auf das holländische Fahrzeug. Das eigene Fahrzeug stellten sie auf einem Parkplatz etwa 20 Kilometer vom Tatort entfernt ab. Mit dem holländischen PKW traten sie nun die Heimfahrt Richtung Wien an. Am 27. Mai 1978, gegen 17.00 Uhr kamen sie zum Grenzübergang Passau – Achleiten. Dort wurden sie von den Zollwacheinspektoren, dem 31jährigen Johann H. und dem 29jährigen Josef K. zum Anhalten aufgefordert. Aber anstatt stehen zu bleiben gaben die Verbrecher Gas und rasten durch die Zollkontrolle. Die beiden diensteifrigen Inspektoren sprangen in den Privat-PKW des Johann H., einem gelben BMW. Eine Verfolgungsjagd begann. Nach ca. 11 Kilometer in Pyrawang im Gemeindegebiet von Esternberg konnten die Verbrecher gestoppt werden. Die Amtshandlung erfolgte in einer sumpfartigen Ausbuchtung. Die Zöllner dürften angenommen haben, es handle sich um Schmuggler ohne deren Gefährlichkeit zu ahnen. Die Verbrecher aber vermeinten offensichtlich, dass sie wegen des Mordes in Holland bereits gesucht wurden. Irgendwie muss es den Gewalttätern gelungen sein, die beiden Beamten zu überrumpeln und ihnen die Waffen abzunehmen.

Anschließend mussten sich beide Zöllner niederknien. M. und T. töteten je einen Beamten durch Genickschüsse. Es war eine regelrechte Hinrichtung, bei der die Zöllner keine Chance hatten. Anschließend flüchteten die Verbrecher mit dem gelben BMW des Beamten. Die Tat wurde von Insassen eines vorbeifahrenden Autos teilweise gesehen. Nachdem diese Meldung erstattet hatten, wurde sofort eine Alarmfahndung nach zwei Männern und dem gelben BMW eingeleitet. Auch der „Aktuelle Dienst“ des ORF unterbrach mehrmals das Programm, um Fahndungsdurchsagen auszustrahlen. Insbesondere richtete sich die Fahndung auf das Fluchtfahrzeug, weil es von den Tätern keine Personsbeschreibung gab. Um ca. 19.15 Uhr war ein Mann in der Ortschaft Hilkering mit dem Streichen seines Zaunes beschäftigt. Ihm fielen zwei Männer auf, die zu Fuß unterwegs waren und die ihm verdächtig vorkamen. Er hatte ja in den Radiodurchsagen gehört, dass neben dem gelben BMW auch nach zwei Männern gefahndet wurde. Er rief sofort beim zuständigen Gendarmerieposten Aschach/D. an und gab seine Beobachtung weiter. Vom Gendarmerieposten brachen sofort die Inspektoren Karl L. und Siegfried H. auf, um die beiden Unbekannten zu kontrollieren. An der Kreuzung Nibelungenstrasse – Güterweg Koppl, nächst dem Landwirt O. in Hilkering konnten die Gendarmen die beiden für sie unbekannten Verbrecher anhalten und zur Ausweiskontrolle auffordern. Die beiden Mörder aber zogen nicht ihre Ausweise, sondern die Pistolen. Während T. mit der Pistole gegen die Beamten nur in Anschlag ging, schoss M. sofort gegen diese, wobei Inspektor L. durch einen Hüftschuss schwer verletzt wurde. Inspektor H. konnte in dieser Situation einen „Tausendguldenschuss“ anbringen. Er traf den gefährlicheren Mayer so, dass dieser sofort handlungsunfähig war. Es war ein Bauchschuss bei dem die Hauptschlagader durchtrennt worden war. Der schwer verletzte Karl L. ließ sich in den Straßengraben fallen und schoss von dort aus mit der Maschinenpistole in Richtung T. der hinter einem Baum in Deckung gegangen war. Offensichtlich durch die moralische Wirkung dieser Waffe gab der Verbrecher auf, kam mit erhobenen Händen auf die Straße und ergab sich den Beamten. Der Verbrecher Johann Oskar M. ist noch am Tatort verstorben. Den Flucht-BMW verließen die Verbrecher auf einem Waldweg der Starhemberg -Schaunburgischen Forstverwaltung im Gemeindegebiet von Hartkirchen, nachdem sie sich von Gendarmen verfolgt fühlten. Bei der Vernehmung legte T. sowohl den Mord in Holland betreffend, als auch jenen an den beiden Zollwachebeamten ein umfassendes Geständnis ab. Was mich einigermaßen verwunderte war, dass er die Tötungshandlungen nicht auf den toten Komplizen geschoben hat. Nach seinen Angaben haben sowohl M., als auch er auf den Holländer geschossen. In gleicher Weise haben sie die beiden Zollwachebeamten hingerichtet. Helmut T. wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.