Erinnerungen: Doppelmord in Redham

Generalmajor i.R. Manfred Schmidbauer erinnert sich an den Doppelmord in Redham.

Meine Damen und Herren in dieser Vitrine wird ein Fall gezeigt, der auch einem erfahren Kriminalisten unter die Haut geht. Sie sehen die brutal ermordete Mutter Gertrude R. und ihre 3jährige Tochter Barbara, die vor ihrem Mörder bis in den letzten Kellerraum geflüchtet ist, wo sie aber nicht mehr weiterkonnte und von ihrem Mörder regelrecht abgeschlachtet wurde. Sie sehen auch die Mordwerkzeuge, an der Hacke konnten wir noch Blut- und Haarreste feststellen. Weiters die aus dem Tathaus gestohlenen Gegenstände, die dem Täter zum Verhängnis wurden, nämlich Silbermünzen, ein Ring mit blauem Stein und die Uhr des Gatten und Vaters der Toten.

Zum Tatablauf:

Am 14. Juni 1984, gegen 16.15 Uhr wurde die 38jährige Hausfrau Gertrude R. in Landertsham, Gemeinde Redlham im Vorraum des gemeinsamen Wohnhauses von ihrem Gatten Franz R. tot aufgefunden. Die Leiche wies zahlreiche Verletzungen auf. Zur linken Leichenfaust lag ein abgebrochener Säbel aus dem Besitz der Familie R. stammend. Neben dem blutverschmierten Leichenkopf lehnte an der Wand eine Handhacke, die reichlich Blutspuren und zudem verklebte Haarbüschel aufwies. Diese Hacke stammte gleichfalls aus dem Hause R. In der Wohnung deutete zunächst nichts darauf hin, dass Diebe oder Einbrecher am Werk gewesen wären. Auffallend war allerdings der Umstand, dass die Oberbekleidung der Leiche über die Brüste hinaufgeschoben und der Slip über das Gesäß hinuntergezogen waren, so dass der Geschlechtsteil offen dalag. Ein Sexualdelikt war also anzunehmen. Etwa eine Stunde später wurde die 3jährige Tochter Barbara in der Waschküche mit durchgeschnittener Kehle ebenfalls ermordet aufgefunden. Im Zuge der Erhebungen wurde in Erfahrung gebracht, dass ein Mann nach der Tat vom Tathaus weg durch Waldungen und Getreidefelder in Richtung Moosham ging. Dieser verhielt sich insofern verdächtig, als er beim Ansichtigwerden entweder umdrehte, sich nieder bückte oder sogar eine andere Richtung einzuschlagen versuchte. Von diesem Mann lag eine gute Personsbeschreibung vor. Bereits einen Tag nach der Tat wurde von Franz R. festgestellt, dass aus dem Haus diverse Gegenstände –

Herrengoldring, Herrenarmbanduhr, Silbermünzen etc. – fehlten und diese offenbar vom Täter mitgenommen wurden. Im gegenständlichen Doppelmordfall wurden an die 400 Personen, unter anderem Einschleichdiebe, Räuber, Sexualattentäter aber auch Verdächtige aus dem Suchtgiftmilieu überprüft und zum Alibi verhalten. Erst Anfang August 1984 konnte der Täter schließlich in der Person des 54jährigen Tischlergesellen Franz S. aus Wels ausgeforscht und verhaftet werden. Im Rahmen der Verhaftung und der darauf folgenden Ermittlungen konnte ein Großteil des Diebsgutes, das er in der Zwischenzeit veräußert hatte, wieder zustande gebracht werden. Das wichtigste Beweisstück war die aus dem Tathaus gestohlene Armbanduhr aus dem Besitze Franz R. Diese war nämlich unverwechselbar, weil sie einen Reparaturvermerk des Uhrmachers aufwies. Franz S. war kein Unbekannter. Er hatte in Tirol im Jahre 1957 nach einer Brandstiftung einer Frau ein Auge ausgeschlagen und ein14jähriges Mädchen durch Pfählung mit dem Stiel einer Heugabel bestialisch ermordet. Er wurde von einem Geschworenensenat des Landesgerichtes Innsbruck zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Am 22. Juli 1981 wurde er aufgrund guter Führung, nach Einholung entsprechender psychiatrischer Gutachten, bedingt entlassen. Der Verhaftete verweigerte sowohl vor uns, als auch vor dem Untersuchungsrichter jegliche Aussage zu diesem Doppelmord. Aufgrund der eindeutigen Beweislage bestanden keinerlei Zweifel an seiner Täterschaft. Franz S. wurde von einem Geschworenensenat des Kreisgerichtes Wels wieder zur Höchststrafe verurteilt. Zum zweiten Mal wieder eine lebenslängliche Freiheitsstrafe. Der gegenständliche Doppelmord erregte ob seiner Brutalität unter der Bevölkerung großes Aufsehen. Vor einigen Jahren beschwerte er sich darüber, dass wir seine Straftat in unserem Museum zeigen. Verwandte haben die Vitrine fotografiert und ihm das Foto ins Gefängnis geschickt. Er begründete seine Beschwerde damit, dass wir dadurch seine Resozialisierung behindern. Das heißt, diese Bestie in Menschengestalt will wieder freikommen. Diesen Kriminalfall habe ich auch in meinem Buch „Mörder, Räuber & Gendarm“ geschildert.